Telemedizinische Falldatenkommunikation in interoperablen Netzwerken

Das Projekt

FALKO.NRW steht für „Medizinische Falldatenkommunikation in interoperablen Netzwerken“ und soll mit 16 Projektpartnern Lösungsszenarien auf der etablierten Plattform des Westdeutschen Te­leradiologieverbundes entwickeln.

Das FALKO Prinzip

Projektübersicht

Allgemeines

Im Kern zielt FALKO.NRW auf den standardbasierten Austausch fallbezogener Informationen zwischen verschiedenen, an der Behandlung beteiligten Leistungserbringern.

Bisher scheitert die elektronische Kommunikation von allen behandlungsrelevanten Falldaten, die z.B. bei einer Verlegung oder einer Konsilanfrage benötigt werden, daran, dass

  • die relevanten Daten beim Versender in unterschiedlicher Form (Papierformular, handschriftliche Notizen, CDs, Dateien) vorliegen.
  • selbst digital vorliegende Falldaten aus unterschiedlichen Quellsystemen (KIS, PACS, RIS, LIMS, EKG, US, …) nicht konsolidiert für den Versand zusammengestellt werden können.
  • versendende und empfangende Einrichtungen (proprietäre) Systeme unterschiedlicher Hersteller verwenden und eine Verarbeitung übernommener Daten aufgrund fehlender technischer oder semantischer Interoperabilität scheitert.

Nachdem der Westdeutsche Teleradiologieverbund (TRV) mit bereits mehr als 250 angeschlossenen Kliniken und Praxen gezeigt hat, wie der Versand von Bilddaten zwischen unterschiedlichsten Einrichtungen in Deutschland standardbasiert – also unabhängig von den sendenden und empfangenden Systemen – funktioniert, soll auf dieser Basis nun eine Kommunikationsinfrastruktur aufgebaut werden, die es ermöglicht ALLE relevanten Falldaten unterschiedlicher Systeme und Einrichtungen in ausgesuchten (medizinischen) Anwendungsszenarien auszutauschen.

Im Sinne der nachhaltigen Ergebnisverwendung weiterer NRW-Förderprojekte sollen die Erfahrungen aus dem Projekt „TeBiKom.Ruhr – Entwicklungsplattform der telemedizinischen Bilddatenkommunikation in der Gesundheitsmetropole Ruhr“ Berücksichtigung finden.  Die Projektbeschreibung und Broschüre zum 2015 beendeten Projekt finden Sie hier.

Zusätzlich zur gerichteten Kommunikation sollen Elektronische Fallakten von zwei unterschiedlichen Providern in die Kommunikationsstruktur eingebunden werden und insbesondere intersektorale Versorgungsszenarien adressieren.

Kernziele

  • 16 Projektpartner + 5 assoziierte Partner aus NRW
  • Ziel: zentrale, nicht-proprietäre Kommunikationslösung
  • Versand aller behandlungsrelevanten Falldaten
  • Projektzeitraum 3-2016 bis 2-2019
  • Konsolidierung aller Falldaten(quellen) im Krankenhaus
  • Integration und Nutzung erhaltener Daten fremder Systemquellen
  • Gezielter Versand relevanter Daten von Krankenhaus zu Krankenhaus
  • Integration verschiedener Fallaktenprovider (EFA 2.0)
  • Behandlungsfallbezogene intersektorale Kommunikation

Hauptprojekt

„Krankenhaus zu Krankenhaus“-Kommunikation

Anhand bewährter Kooperationswege unter den vier Krankenhäusern der Ruhr-Universität Bochum fokussiert das Projektvorhaben in seinem Kern (Hauptprojekt) auf die Falldatenkommunikation unter diesen vier Einrichtungen. Bedarf besteht hier vor allem bei Verlegungsfällen, aber u.a. auch bezüglich Zeitmeinungsverfahren und Fallkonferenzen.

Die Möglichkeit, routinemäßig bei Aufnahme (oder sogar schon im Vorfeld) auf Arztbriefe, Vorbefunde, Untersuchungsergebnisse, Bilddaten, Medikationspläne, etc. in digitaler Form zurückgreifen zu können stellt die Zielsetzung des Kernprojekts dar. Dabei orientiert sich die Falldatenkommunikation immer an bereits etablierten Prozessstrukturen, die durch eine standardisierte Übertragung von relevanten Dokumenten und die Integrationsmöglichkeit in die eigenen Dokumentationssysteme unterstützt werden sollen.

In der technischen Abbildung durch die Firma VISUS Technology Transfer wird in der Krankenhaus-Krankenhaus-Kommunikation von gerichteter Kommunikation über die bereits bestehenden Kommunikationswege des Westdeutschen Teleradiologieverbundes ausgegangen. Gleichzeitig werden mit Zweitmeinungen und Fallkonferenzen Anwendungsgebiete angesprochen, in denen eine enge Verknüpfung zu den nachstehenden Teilprojekten besteht.

Elektronische Fallakten

Das Poster bei der eHealth zur ePa

Dem FALKO.NRW-Anliegen entsprechend stellen die Elektronischen Fallakten Kommunikationsplattformen dar, die über Sektoren- und Einrichtungsgrenzen hinweg den Austausch von Daten bzw. Dokumenten ermöglichen. Mit dem Rechenzentrum Volmarstein (RZV) und der Health Care IT Solutions (HITS) sind gleich zwei EFA-Provider in das Projekt involviert, so dass die Herausforderung nicht lediglich darin besteht, die technischen Voraussetzungen für die Kommunikation medizinischer Daten zu schaffen, sondern darüber hinaus erstmalig auch die Verknüpfung verschiedener Fallakten im Rahmen der Anbindung an den Westdeutschen Teleradiologieverbund miteinander zu bewerkstelligen.

Auf diese Weise wird die notwendige Interoperabilität geschaffen, damit es für den Endnutzer nicht länger relevant ist, an welches der Systeme seine Kommunikationspartner angeschlossen sind. Anwendungsszenarien der EFAs können gleichsam der intersektorale Austausch zwischen Krankenhäusern und niedergelassenen Arztpraxen wie auch die Kommunikation im Sinne von Fallkonferenzen oder Zweitmeinungen sein.

Virtueller Case Assistant

Der Virtuelle Case Assistant (VCA) steht stellvertretend für eine Softwarelösung, die – ohne in die individuellen Entscheidungskompetenzen der Ärztinnen und Ärzte einzugreifen – ein Unterstützungsinstrument für die jeweiligen medizinischen Versorger darstellt. Dies gilt besonders an den Überleitungsschnittstellen von unterschiedlichen Einrichtungen oder Sektoren entlang der Versorgungskette. Anwendungsbeispiele können dabei sowohl ein Vorschlagswesen für eine standardisierte Informationsweitergabe, Folgeterminvereinbarungen, Therapieempfehlungen bis hin zu Wechselwirkungskontrollen von Medikationen sein.

Der VCA, der von technischer Seite von der CGM Clinical umgesetzt wird, greift dafür auf unterschiedliche Informationsquellen (KIS/AIS-Dokumentationen, wiss. Datenbanken, Kataloge von Kostenträgern, Medikationslisten etc.) zurück und nimmt anhand von Regeleditoren eine individualisierte, patientenbezogene Analyse vor. Dabei ist es nicht zwangsläufig notwendig, an jeder Stelle der Versorgungskette den kompletten prospektiven Versorgungspfad in den Blick zu nehmen. Das Vorschlagswesen des VCA ist so gestaltet, das grundsätzlich an jeder Schnittstelle eine Zusammenstellung der aktuellen Informationen den kommenden Versorgungsschritt determiniert.

Aufgrund seiner Anwendungsoptionen entlang von individuellen Versorgungspfaden zielt das Teilprojekt zunächst auf die intersektorale Kommunikation ab, während gleichzeitig auch eine Unterstützung bei Verlegungsszenarien zwischen zwei Krankenhäusern denkbar wäre. Somit steht das Teilprojekt in enger Zusammenarbeit mit den technischen und prozessualen Entwicklungen des Hauptprojektes und der elektronischen Fallakten.

Schwerverletzte

Als ein Teilprojekt soll der Austausch von Informationen, speziell Befundanforderungen und Befunde, im Rahmen der Schwerverletztenversorgung standardisiert und besser dokumentiert werden.

Dazu soll gemeinsam mit der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster ein konkretes Anwendungsszenario entwickelt, erprobt und etabliert werden.

Rehabilitation

Ein weiteres Nutzungsszenario und von besonderer Bedeutung ist der frühzeitige Erhalt von Voruntersuchungen in Reha-Einrichtungen.

Diese Informationen sind bei der Planung der Behandlungen für die Patientinnen und Patienten sehr hilfreich. Mit den Kliniken der Westfälischen Gesundheitszentrum Holding in Bad Sassendorf sollen Arbeitsprozesse, auch durch technische Unterstützung, verbessert werden.

Wildcard

Weitere Anwendungsszenarien, die zum Zeitpunkt der Projektbeantragung noch nicht absehbar waren, sich jedoch über die intensive Zusammenarbeit der Projektpartner im Projektverlauf ergeben, sollen im Rahmen der Möglichkeiten zusätzlich sondiert, angestoßen oder im Idealfall umgesetzt und integriert werden können.

Als ein solches Anwendungsszenario hat sich bereits die Einbindung des mobil erfassten Notarztprotokolls durch den Rettungsdienst in Bochum herauskristallisiert. Die während der Einsätze erfassten Berichte sollen im Rahmen des FALKO Projekts durch die aufzubauende standardisierte Kommunikationsstruktur in die Arbeitsabläufe der Kliniken integriert werden.